Warum ist ein Sicherheitsbestand wichtig?
Ohne Sicherheitsbestand führt jede Lieferverzögerung oder Nachfragespitze zu Fehlbeständen, die die Produktion stoppen oder die Kundschaft enttäuschen. Der Sicherheitsbestand verhindert solche Kettenreaktionen und sichert Geschäftskontinuität und Kundenzufriedenheit. Allerdings bindet er Kapital im Lagerbestand und erhöht die Lagerkosten. Die richtige Höhe des Sicherheitsbestands zu finden – ausreichend Schutz ohne übermäßige Verschwendung – ist eine zentrale Optimierungsaufgabe in der Lieferkette.
Wie funktioniert der Sicherheitsbestand in der Logistik?
Unternehmen berechnen den Sicherheitsbestand anhand von Nachfrageprognosen, der Schwankung der Vorlaufzeiten und angestrebter Servicegrade. Liegt die Nachfrage im Schnitt bei 100 Einheiten pro Woche, schwankt aber um ±30 %, und beträgt die Vorlaufzeit des Lieferanten 2 Wochen mit gelegentlichen Verzögerungen, könnte der Sicherheitsbestand dem Bedarf von 2–3 Wochen entsprechen. Dieser zusätzliche Bestand liegt im Lager bereit und kann sofort genutzt werden, wenn die Nachfrage sprunghaft steigt oder Lieferanten in Verzug geraten. Ist der Sicherheitsbestand aufgebraucht, wird er im nächsten Lieferzyklus wieder aufgefüllt.
Branchen, die mit Sicherheitsbeständen arbeiten
- Fertigung und Produktion
- Nachschub für Einzelhandelsfilialen
- E-Commerce und Fulfillment-Center
- Versorgung im Gesundheitswesen und mit Arzneimitteln
- Versorgung mit Kfz-Teilen und -Komponenten
- Lager- und Distributionsmanagement
- Distribution von Lebensmitteln und Getränken
- Industrie- und Instandhaltungsbedarf
- Ersatzteilmanagement
- Distribution von Baumaterialien
Beispiel aus der Praxis
Ein Pharmagroßhändler beliefert 200 Krankenhäuser mit Schmerzmitteln. Die durchschnittliche Tagesnachfrage liegt bei 500 Einheiten, schwankt aber je nach saisonalem Krankheitsgeschehen zwischen 350 und 650 Einheiten. Die Vorlaufzeit des Lieferanten beträgt normalerweise 5 Tage, verlängert sich gelegentlich aber auf 7–8 Tage. Der Großhändler hält einen Sicherheitsbestand von 2.000 Einheiten vor (das entspricht dem Bedarf von 4 Tagen bei durchschnittlicher Nachfrage). Steigt die Nachfrage während der Grippesaison auf 650 Einheiten pro Tag, überbrückt der Sicherheitsbestand die Lücke bis zur nächsten Nachlieferung. Ohne diesen Puffer käme es in den Krankenhäusern zu Fehlbeständen, und Patientinnen und Patienten könnten nicht behandelt werden.